Tierfreunde Landshut & Umgebung e.V.- die Tierschutz Alternative in Landshut -„Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Sie ist eines der kennzeichnenden Laster eines niedrigen und unedlen Volkes.“ [Alexander von Humboldt (1769-1859)] |
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Ratten sind entgegen der leider weit verbreiteten Meinung sehr reinliche und liebevolle Tiere. Sie kamen vor ein paar Jahrhunderten aus Südostasien zu uns nach Europa. Sie wurden damals ziemlich verteufelt, da sie im Verdacht standen, die Pest zu verbreiten. Dies stellte sich als falsch heraus denn es waren nicht die Ratten sondern die Flöhe die auf ihnen lebten. Daher ist es völlig sicher nachgezüchtete Farbratten zu halten. Trotzdem ist es wie bei allen anderen Tieren wichtig sich vorher Gedanken zu machen ob man ihnen auch eine artgerechte Unterbringung bieten kann.
Trotz der ziemlich großem Auswahl im Tierfachgeschäften, sind die dort zu kaufenden Rattenkäfige oft nicht sehr artgerecht. Besser geeignet sind dafür Chinchilla- oder Streifenhörnchenkäfige, da sie einfach größer und geräumiger sind. Ratten sind sehr gute Kletterer und daher sollten am besten mehrere Ebenen im Käfig vorhanden sein. Diese sollten mit Holzleitern oder Sanitärröhren oder kleinen Rampen verbunden sein. Der Abstand zwischen den Ebenen sollte groß genug sein, das eine ausgewachsene Ratte sich vollständig aufrichten kann. Sehr wichtig ist es auch das der Gitterabstand nicht größer als 1 cm bis 1,5 cm beträgt, da sonst gerade jüngere Tiere leicht durchschlüpfen können. Die richtige Ausstattung gehört natürlich genau wie bei allen anderen Kleintieren zu einem der wichtigsten Punkte damit sich die Tiere wohl fühlen können. Der Schlafplatz sollte zum Beispiel immer einer der höchsten Punkte sein. Dieser kann ein Holzhäuschen, ein Weidenkörbchen oder eine gut befestigte, Hängematte sein. Der Boden kann entweder mit einer Hanfeinstreu (Fasern) oder Holzpellets ausgelegt werden. Um das Saubermachen zu erleichtern kann man in eine festgelegte Ecke auch eine Katzentoilette mit nicht klumpenden Katzenstreu oder Vogelsand stellen. Vielleicht für den Anfang ein paar Köttel reinlegen, dann nehmen die Ratten meistens das Angebot gerne an. Da die Ratten gerne weich schlafen sollte man ihnen entweder Toiletten- oder Küchenrollenpapier, Stoffstücke, Zeitungen, Karton oder Sisalband anbieten.
Viele neu Rattenhalter meinen es gut und geben den Ratten Laufräder oder Hamsterlaufkugeln in den Käfig. Dies sollte unterlassen werden, da sich die Ratten beim Benutzen sehr leicht verletzen können. Auch langfristige Schäden an der Wirbelsäule können vorkommen, da die Ratte beim laufen in diesen Geräten eine unnatürliche Haltung einnehmen. Dies kann im schlimmsten Fall zu einem Bandscheibenvorfall führen. Auch die Röhrensysteme, die es im Handel für Hamster gibt sind aufgrund des zu geringen Durchmessers nicht für Ratten geeignet. Auch Hamsterwatte als Schlafpolster ist nicht zu empfehlen, da sie sich leicht um die Pfoten wickeln und diese auch abschnüren kann. Wenn sie gefressen wird, kann es zu Verdauungsstörungen führen. Wie bei den anderen Nagetieren ist es zu empfehlen ungespritzte Äste von Obstbäumen anzubieten, damit die Ratten sich die rasch nachwachsenden Zähne abreiben können.

Ratten gelten im Allgemeinen als Allesfresser. Dies ist zwar richtig jedoch sollte man doch darauf achten, dass es nicht zu einer einseitigen Ernährung kommt. Neben dem immer sauberen und frischen Wasser sollte auch wie bei den Kaninchen oder Meerschweinchen immer Heu vorhanden sein. Dazu kann man entweder ein Fertigfutter vom Fachhandel füttern oder selber ein Futter aus Hamsterfutter + Chinchillafutter und Müsli mischen. Mit Obst und Gemüse kann man den Speiseplan bereichern. Die meisten Raten mögen Ananas (reif), Äpfel, Aprikosen, Bananen, Birnen, Kirschen, Kürbis, Mango, Melonen, Nektarinen, Pfirsiche, Pflaumen, Weintrauben, Chicoree, Eisbergsalat, Endiviensalat, Möhren, Mais und Paprika, rote Beete, Salatgurken, Spargel und Tomaten. Als besondere Leckerbissen können hin und wieder auch Joghurt, Babygläschen, gekochte Nudeln oder gekochter Reis gegeben werden.
Ratten sind sehr gerne in Gesellschaft, deshalb sollte man immer mindestens 2 Tiere zusammen halten. Es ist sehr darauf zu achten, dass man die Geschlechter getrennt hält. Am unkompliziertesten sind Gruppen mit Weibchen. Es können sich aber auch Männchen recht gut verstehen. Es gibt aber auch gute Tipps wie man die Zusammengewöhnung erleichtern kann. Für den Anfang sollte auf jeden Fall ein zweiter Käfig vorhanden sein, denn man in ca. 15cm Entfernung aufstellt, dass sich die Tiere zwar riechen und sehen sich aber nicht beißen können. Man kann auch das Nistmaterial tauschen, damit sich die Gerüche der einzelnen Tiere vermischen. Bei der Zusammengewöhnung ist es nötig dass, immer jemand anwesend ist um rechtzeitig eingreifen zu können, falls es doch zu einer Rauferei kommt. Gerade bei der Eingewöhnung von jüngeren Tieren kann es schnell kritisch werden, denn die Erwachsenen können gerade die kleinen mit einen Biss töten. Es kann auch sein das mehrere Versuche nötig sind. Nach ca. 4 Monaten mit vergeblichen Versuchen ist es Zwecklos, ein Zusammengewöhnen weiterhin zu versuchen.
Die Geschlechtsreife setzt bei Ratten bereits sehr früh mit ca. 5 Wochen ein. Daher ist es wichtig gerade schon die Jungen Tiere nach ihrem Geschlecht zu sortieren, damit man nicht in kurzer Zeit 20 bis 30 Ratten hat. Nach einer Tragzeit von ca. 21 Tagen bringen die Weibchen in der Regel zwischen 4 und 14 Junge auf die Welt. Daher ist bei gemischten Gruppen eine Kastration unumgänglich. Ein weiterer Vorteil ist, dass viele Ratten nach der Kastration das lästige Markieren lassen, dass nicht nur unangenehme Gerüche hervorruft, sondern auch auf Möbeln unansehnliche Flecken gibt.
Eine der leider häufigsten Krankheiten bei Ratten sind Tumorerkrankungen. Diese sollte man so bald wie möglich nach der Entdeckung vom Tierarzt behandeln lassen. Oft kann man nur sehr schwer unterscheiden ob es sich um einen Tumor oder einen Abszess handelt. Diese Frage kann oft nicht durch ein Röntgenbild klärt werden, da beide Knubbel ziemlich gleich auf den Bilder abgebildet werden. Gewissheit bringe eine Punktion. Ein Tumor muss so schnell wie möglich entfernt werden.
(TD)

In fast jeder Zoofachhandlung, bei Züchtern sowie mittlerweile sogar in Baumärkten mit Zoofachabteilung kann man Ratten erwerben. Leider warten aber immer Tausende von kleinen Ratten in Tierheimen oder stehen auf den „Notfalllisten” der Rattenclubs (VdRD e.V.)
Man sollte sich beim Kauf von Ratten für die Tierheime entscheiden denn diese sind sehr oft mit Ratten überbesetzt.
Anfänger sollten darauf achten, nur gesunde Ratten aufzunehmen, denn kranke oder bissige Ratten zu pflegen und zu zähmen ist recht schwierig. Eine gesunde Ratte ist lebhaft, neugierig und freundlich; hat glattes und gepflegtes Fell und hat glänzende „Knopf”-Augen. Man sollte auch auf die Krallen und Zähne (wg. Fehlstellungen) achten.
Ein Tipp: Die Tierchen nur abends aussuchen, denn dann sind sie aktiv!!
Da Ratten Rudeltiere sind sollten grundsätzlich immer mindestens 2 Ratten gehalten werden. Eine einzelne Ratte würde alleine mit der Zeit völlig vereinsamen. Des Weiteren bekommt man bei der Haltung von mindestens 2 Ratten Verhaltensweisen zu sehen, die einem sonst vorenthalten bleiben würden. Das Geschlecht spielt eigentlich keine große Rolle. Es ist nur wichtig, das es gleichgeschlechtliche Ratten sind, da man sonst innerhalb von 3 Wochen ein riesiges Rudel hat.
Es gibt aber auch Ratten, die absolut nichts mit den Menschen zu tun haben wollen. Manchmal liegt es einfach daran, das etwas von ihrer Urahnin, der Wanderratte, wieder durchkommt. Der wilden Wanderratte sichert genau dieses Verhalten ihr Überleben. Oder sie hat einfach das Vertrauen zum Menschen vollständig verloren. Sie bleiben ein Leben lang scheu, lassen sich nicht anfassen oder beißen zu, wenn man ihnen zu nahe kommt. Da kann man dann nicht mehr viel machen, außer genau die Situationen, die Beiß-Attacken und Stress heraufbeschwören, zu umgehen.
Aber auch diese Ratten haben ein schönes Leben verdient (schließlich machen sie das ja nicht mit Absicht). Am besten lässt man sie mit weiteren Artgenossen in einem Käfig und erfreut sich an den lustigen Verhaltensweisen der süßen Pelznasen. Und wer weiß, vielleicht wird die Ratte nach einiger Zeit ja doch noch zahm…
Nur wer mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen an die Sache herangeht wird am Ende erfolgreich sein. Ratten haben, wie Menschen auch, einen teilweise sehr eigenwilligen Charakter und man sollte sie so nehmen wie sie sind, denn Freundschaft und Vertrauen lassen sich nicht erzwingen.