Tierfreunde Landshut & Umgebung e.V.- die Tierschutz Alternative in Landshut -„Der Wunsch, ein Tier zu halten, entspringt einem uralten Grundmotiv - nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies.“ [Konrad Lorenz (1903-1989)] |
![]() |
Quelle: Pressemitteilung des
(animal) Abgemagerte streunende Hunde in südlichen Ländern erregen oft das Mitleid von Tierliebhabern und verleiten zum Mitnehmen der Tiere nach Deutschland. Auch viele Tierheime arbeiten mit südländischen Tierschützern zusammen und importieren Hunde, für die sich hier leichter neue Besitzer finden lassen. Doch Vorsicht: Diese Tiere könnten mit Leishmaniose infiziert sein. Diese Krankheit ist für Hunde, aber auch Pferde und Menschen, besonders kleine Kinder und ältere Personen gefährlich.
Die Leishmaniose ist eine in den Tropen und Subtropen weitverbreitete parasitäre Erkrankung. In Europa kommt sie vorwiegend im Mittelmeergebiet vor. Durch den Import von Tieren, vor allem Hunden aus den Mittelmeerländern, wurde die Krankheit Leishmaniose auch in Deutschland ein Thema.
Durch Sandmücken (auch Schmetterlingsmücken oder fälschlich Sandfliegen genannt) werden die Leishmanien – geißeltragende Einzeller – von Hund zu Hund, von Hund zu Mensch oder von Mensch zu Hund übertragen. Dies gilt aber nur für die Gebiete, in denen die Überträger vorkommen. Deutsche Urlauber, die ihre Hunde in diese Länder mitnehmen, setzen ihre Tiere einem Infektionsrisiko aus. Nur durch Vorbeugung von Insektenstichen, zum Beispiel durch spezielle Halsbänder oder Shampoos, kann man den Hund weitgehend vor der Erkrankung schützen. Leider werden diese aber bei Reisen zu selten und bei im Urlaubsland lebenden Hunden fast gar nicht angewandt.
Infizierte Hunden sind oft – trotz Fresslust und normaler Verdauung – abgemagert. Es kommt zu Lymphknotenschwellungen, Milz- und Lebervergrößerung sowie gelegentlich zu Muskelschwund. Am auffälligsten sind die Hautsymptome: Das Haarkleid wird dünn, glanzlos, rau, neigt stellenweise zu Kahlheit, die Haut schuppt sich. Am Ohrrand zeigen sich die typischen Veränderungen am häufigsten (exfoliative Dermatitis). Die Krallen werden häufig spröde und wachsen länger als normal. Häufig kommt es zu Schwellungen im Gelenkbereich. Die Therapie ist langwierig, eine Ausheilung der Erkrankung ist keineswegs garantiert. Man kann die Leishmaniose aber mit Medikamenten so behandeln, dass die betroffenen Patienten symptomfrei werden.
Besteht nun auch bei uns die Gefahr, dass infizierte Hunde als Reservoir für die Erreger dienen und die Infektion verbreiten? „Prinzipiell wäre das möglich, denn es gibt auch hierzulande mögliche Überträger”, sagt Dr. Torsten J. Naucke, der erstmals eine Sandmückenart in Deuschland nachgewiesen hat. In Baden-Württemberg wurde eine bisher unbekannte Sandmückenart Phlebotomus mascittii gefunden, aktuell zusätzlich Phlebotomus perniciosus, ein aus Süd- und Südwesteuropa bekannter Überträger der Leishmaniose.
Am Institut für Parasitologie der Universität Gießen untersucht man seit einigen Jahren die sich in Deutschland ausbreitende Leishmaniose. In den vergangenen zehn Jahren sind tatsächlich eine ganze Reihe von Leishmaniose-Infektionen bei Mensch und Tieren aufgetreten, die nicht als „Reiseandenken” von Fernreisen mitgebracht worden sind. Sogar ein Pferd in Augsburg, das sich nie im Mittelmeerraum aufgehalten hat, war an Leishmaniose erkrankt. Vor zwei Jahren wurde der erste Fall von Leishmaniasis bei einem Kind festgestellt. Inzwischen sind weitere Fälle bei einer wachsenden Zahl von Hunden sowie einer Katze bekannt geworden, die sich in Deutschland mit Leishmaniose infiziert haben.
Ein Großteil der Experten ist sich einig: Sowohl der zunehmende Tourismus als auch der organisierte Import von Streunerhunden aus dem Mittelmeerraum durch wohlmeinende Tierschutzorganisationen führen gleichzeitig dazu, dass in Mitteleuropa Tausende von Hunden leben, die trotz klinisch erfolgreicher Therapie mit dem Erreger Leishmania infantum chronisch infiziert sind und so wiederum eine Infektionsquelle für Sandmücken darstellen.
Prof. Dr. Horst Zahner und Dr. Christian Bauer, Gießen, schließen aufgrund der wachsenden Zahl der Fälle in Deutschland auch ohne Reisen in südliche Länder nicht mehr aus, dass auch eine der hierzulande vorkommenden Sandmückenarten gelegentlich Leishmanien übertragen könnte.
Der private, aber auch der von Tierheimen durchgeführte Import von Hunden aus den Mittelmeerländern in vermeintlich tierschützerischer Absicht muss daher sehr kritisch betrachtet werden: Obwohl diese Tiere zunächst gesund zu sein scheinen, ist ein erheblicher Teil Leishmanien-infiziert. Prof. Dr. Peter Deplazes (Zürich), Dr. Naucke (Bonn) und andere warnen seit längerem eindringlich vor einer möglichen Zeitbombe. Die zunehmende Erwärmung des Klimas nährt die Befürchtung, dass sich diese Krankheit von den Mittelmeerländern immer mehr nach Norden ausbreitet.
Eine Übertragung vom infizierten zum gesunden Tier ist nur bei Blutkontakt möglich. Eine Bisswunde reicht nicht! Bis jetzt sind jedoch noch keine Fälle von direkter Übertragung gefunden, damit ein Beweis für diese Theorie entdeckt worden. Als gesichert kann aber gelten, dass eine Übertragung vor oder während der Geburt von der Mutter auf das Kind oder von der Mutterhündin auf ihre Welpen erfolgen kann.
Für Hunde sind Reisen in Mittelmeerländer auf jeden Fall gefährlich. Prof. Dr. Ernst- Günther Grünbaum von der Universität Gießen warnt: „Wer seinen Hund liebt, fährt ohne ihn in südliche Urlaubsländer”. Wer es trotzdem macht, sollte ihn durch Mücken-abwehrende Mittel schützen, wobei sich besonders ein Halsband oder ein Shampoo mit dem Wirkstoff Dexamethrin bewährt hat, das (verschreibungspflichtig) beim Tierarzt erhältlich ist. Außerdem empfiehlt es sich, während der Hauptflugzeit der Sandmücke am Spätnachmittag den Hund im Haus zu lassen.
Die üblicherweise durchgeführten Bluttests sind wenig geeignet, infizierte Importhunde zu erkennen. Zu diesem beunruhigenden Ergebnis kommen Fachleute verschiedener griechischer Forschungseinrichtungen, die ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „Veterinary Parasitology” veröffentlicht haben. Sie untersuchten 73 gesunde Jagdhunde mit einem Test, der die Parasiten direkt zum Veispiel am nachweist (PCR), und mit einem Test auf Leishmania-Antikörper. Während bei der direkten Nachweismethode mehr als Hälfte der Hunde (63 Prozent) positiv waren, reagierten im Antikörpertest nur 12, 3 Prozent der Hunde positiv. Die Wissenschaftler warnen davor, sich bei der Untersuchung von Hunden nur auf einen einfachen Antikörpertest zu verlassen.
Therapie: Ein völlig neuer Ansatz der Therapie der Leishmaniose ist im Moment in der klinischen Prüfung. Hierbei handelt es sich um ein Alkylphosphorcholin – das Oleyl-PC – mit dem einen gute klinische Wirksamkeit auch bei Hunden festgestellt werden konnte, die auf die herkömmliche Therapie nicht ansprechen.
Entdeckt wurde der Erreger vom britischen Tropenarzt Sir William Boog Leishman 1900 in Indien. Der Hund soll in Endemiegebieten das wichtigste Erreger-Reservoir für die menschliche Leishmaniose sein, die derzeit in Mittel- und Nordafrika, Madagaskar und Brasilien und in Südeuropa, Mittelfrankreich und der Schweiz vorkommt. Die Infektion wird im europäisch-mediterranen Raum vom Erreger Leishmania infantum ausgelöst. Derzeit sind etwa 12 Millionen Menschen in 88 Ländern auf allen Kontinenten (mit Ausnahme von Australien) mit Leishmanien infiziert; jährlich kommen etwa 1,5 bis 2 Millionen Neuerkrankungen hinzu. Der Deutschland nächstgelegene aktive Leishmaniose-Focus ist die Umgebung von Paris.
1. T. J. Naucke, C. Schmitt: Is leishmaniasis becoming endemic in Germany? Int. J. Med. Microbiol. 293, Suppl. 37, 179 – 181 (2003)
2. Kernt Köhler, Maximilian Stechele, Udo Hetzel, Mariano Doming, Gabriele, Schönian, Horst Zahner, Eberhard Burkhardt: Cutaneous leishmaniosis in a horse in southern Germany caused by Leishmania infantum, Veterinary Parasitology 109 (2002) 9-17
3. Bogdan, S, Schönian, G., Banuls, A. L., Hide, M.,Pratlong, F., Lorenz, E., Röllinghoff, M., Mertens, R.: 2001 in ‘Clinical and Infectious Diseases’ :’Visceral leishmaniasis in a german child who has never entered a known endemic area: Case report and review of the literature.’ Clin. Infect. Dis. 32, 302 -306 (2001).
4. Poli A, Abramo F, Barsotti P, Leva S, Gramiccia M, Ludovisi A, Mancianti F. Feline leishmaniosis due to Leishmania infantum in Italy. Vet Parasitol 2002 Jun 26;106(3):181-91
5. Meinecke,-C-K; Schottelius,-J; Oskam,-L; Fleischer,-B: Congenital transmission of visceral leishmaniasis (Kala Azar) from an asymptomatic mother to her child. Pediatrics. 1999 Nov; 104(5): e65.
6. Leonidas S. Leontides, Manolis N. Saridomichelakis, Charalambos Billinis, Vasilios Kontos, Alexander F. Koutinas, Apostolos D. Galatos and Mathios E. Mylonakis: A cross-sectional study of Leishmania spp. infection in clinically healthy dogs with polymerase chain reaction and serology in Greece, Veterinary Parasitology, Vol. 109 (1-2) (2002) pp. 19-27