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Leptospirose

Quelle: Pressemitteilung des

Deutsches Grünes Kreuz

Bakterienkrankheit Leptospirose bei Hunden immer mehr verbreitet

Studie: Derzeitige Impfstoffe schützen Hunde nur unzureichend / Auch Halter gefährdet

(animal) So gern wir unsere heimischen Vierbeiner haben, so sehr sollte man sich bewusst sein, dass Haustiere auch potenzielle Krankheitsüberträger sind. Die sogenannte Leptospirose ist eine dieser Zoonose genannten Infektionskrankheiten, die von Tier zu Mensch übertragen wird. Fachleute beunruhigt aktuell die auftretende Häufigkeit der Leptospirose bei Hunden. Als Vorbeugung steht nur ein Anfang der 1970er-Jahre in Europa eingeführter Impfstoff zur Verfügung, der den Hund aber lediglich gegen zwei der inzwischen rund 250 bekannten Leptospirose-Erregerarten (Serovare) schützt. Wegen des relativ kurzen Impfschutzes sollte diese Impfung zudem – im Gegensatz zu den anderen üblichen Impfungen – nicht in dreijährigem, sondern jährlichem Abstand wiederholt werden.

Erreger der Leptospirose ist das Bakterium Leptospira interrogans. Das schraubenförmige Bakterium ist in warmblütigen Tieren zu finden, insbesondere bei Ratten, Mäusen, Schweinen, Hunden, Katzen, Pferden, Schafen, Ziegen und Rindern. Hunde nehmen die Bakterien zum Beispiel bevorzugt beim Saufen aus Pfützen oder beim Schwimmen in Tümpeln auf und scheiden die Bakterien mit dem Urin wieder aus. Die Ansteckung des Menschen erfolgt durch direkten Tierkontakt (Kontakt mit infektiösen Flüssigkeiten wie zum Beispiel Urin, Speichel, Blut, Serum, Sperma) und über kleine Hautverletzungen durch Kontakt mit verunreinigtem Boden oder Gewässer.

In Deutschland infizieren sich pro Jahr etwa 40 bis 50 Menschen mit dem Erreger. Symptome beim Menschen sind hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Augenbindehautentzündung sowie starke Wadenschmerzen. Auch können Gelbsucht, Ausscheidung blutigen Urins, aufgrund einer Leber- und/oder Nierenschädigung auch Gehirnhautentzündung sowie Blutgerinnungsstörungen oder Störungen des Magen-Darm-Traktes und der Atemwege auftreten.

Veterinärmediziner der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben vor kurzem in einer Studie insgesamt 442 Serum- und Urinproben von Hunden aus Norddeutschland mit erhöhten Nieren- und/oder Leberenzymwerten aus den Jahren zwischen 2003 und 2006 rückblickend ausgewertet und in den Proben am häufigsten verschiedene Leptospiren-Arten nachgewiesen, was die verstärkte Verbreitung der Leptospirose belegt. Wie die Studie der Hannoveraner Veterinärmediziner auch zeigt, werden in jüngerer Zeit beim Hund offenbar Infektionen mit anderen als den bisher typischen Leptospira-Arten beobachtet, vermutlich aufgrund des meist vorhandenen Impfschutzes gegen die klassischen Erreger.

 

Krankheitszeichen der Leptospirose beim Hund sind Fressunlust, Erbrechen und Fieber. Später sind die Tiere abgeschlagen, bewegungsarm, zeigen eine erschwerte Atmung, manchmal auch Gelbsucht, Blutungen und Gewebsdefekte der Maulschleimhaut, Muskelzittern oder blutigen Stuhl infolge einer schweren Magen-Darm-Entzündung. Eine häufige Harnabgabe kann als Folge einer akuten Nierenentzündung auftreten. Ein Nierenversagen ist oft die ernsthafteste Komplikation der Erkrankung. Die Behandlung der Leptospirose erfolgt durch Gabe von Antibiotika. Die Todesrate liegt gleichwohl bei etwa zehn Prozent.

Die Forscher der Tierärztlichen Hochschule Hannover raten aufgrund ihrer Ergebnisse, den engen Kontakt mit kranken Hunden und ihren Ausscheidungen zu meiden. Dies gilt für Tierhalter, besonders aber für bestimmte Berufsgruppen wie Tierärzte, Tierarzthelfer und Tierpfleger, die naturgemäß mit Ausscheidungen der Tiere in Berührung kommen. Für sie bestehe eine zunehmende Gefährdung, so die Wissenschaftler. Die Forscher empfehlen ihnen daher, bei Hunden mit schweren unspezifischen Krankheitssymptomen und erhöhten Nieren bzw. Leberenzymwerten eine Untersuchung auf Leptospiren durchzuführen, auch wenn die betreffenden Tiere nachweislich geimpft sind. Ebenso sollten strenge vorbeugende Hygienemaßnahmen beim Umgang mit dem Tierpatienten und den Proben (Urin, Serum) getroffen werden.

Als weitere Konsequenz halten es die Veterinärmediziner für dringend erforderlich, wegen der geänderten epidemiologische Situation der Leptospiren in Deutschland das bisherige Impfstoffspektrum möglichst bald auf weitere Leptospirose-Arten erweitern zu können.

Quellen:

T. Gerlach, I. Stephan, Epidemiologische Situation der kaninen Leptospirose in Norddeutschland in den Jahren 2003–2006 – Eine retrospektive Studie, in: Tierärztliche Praxis Kleintiere 2007, 35, 6: 421-429, www.schattauer.de/
Leptospirose, www.medizinfo.de/
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (früher: Landesinstitut für Arbeitsschutz und Produktsicherheit), Steckbrief Leptospirose, www.lfas.bayern.de/
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Leptospirose, www.lgl.bayern.de/

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