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Tollwut!

Quelle: Pressemitteilung des

Deutsches Grünes Kreuz

Vorsicht Tollwut!

Gefährliche Reiseerinnerungen auf vier Beinen

(animal) Vom elenden Leben der vielen Straßentiere Südeuropas, auf dem Balkan, in der Türkei und in Nordafrika haben fast alle Touristen inzwischen gehört. Doch im Urlaub werden sie selbst damit konfrontiert. Sie finden ein verletztes Tier auf der Straße, entdecken in einem Mülleimer Katzenbabys, es läuft ihnen ein halb verhungerter Hund zu. Tierfreunde wollen dann nicht wegsehen. Zuerst einmal wird der Findling versorgt, aufgepäppelt und betreut. Schnell wird aus der Urlaubsbekanntschaft eine kleine Liebe, was spätestens dann zum Problem reift, wenn der Abreisetermin näher rückt und die Frage nach der Zukunft des lieb gewonnenen Vierbeiners aufwirft. Immer mehr Urlauber entschließen sich dann, das Tier mit nach Hause zu nehmen. Viele vergessen dabei: Das Tier könnte mit Tollwut infiziert sein, einer Infektionskrankheit, die zu schweren Lähmungserscheinungen führt und unbehandelt immer zum Tode führt.

Die neue Freundschaft mit dem Tier aus dem Ausland hat oft Folgen: So wurde Anfang August 2004 ein 23 Jahre alter Mann aus Österreich während eines Abenteuerurlaubs in Marokko von einem streunenden, offenbar tollwutkranken Welpen gebissen. Nachdem er und seine Freundin mehrere Tage mit dem kleinen Hund gespielt hatten, soll das Tier plötzlich sein Verhalten geändert haben. Es biss sowohl den 23-Jährigen als auch seine 21-jährige Freundin. Die beiden versorgten ihre Wunden selbst. Ende August traten dann bei dem jungen Mann die ersten Krankheitssymptome wie Müdigkeit, Verwirrung, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen auf. Am 1. September wurde er in das Spital der spanischen Exklave Ceuta aufgenommen. Anfangs vermuteten die Ärzte noch, dass der Steirer an einer Hirnhautentzündung erkrankt war. Dann bestätigten Laboruntersuchungen sowohl aus Spanien als auch aus Österreich unabhängig voneinander: Er ist tatsächlich an Tollwut erkrankt. Seit dem 4. September wurde der Patient an der Intensivstation der Medizinischen Universitätsklinik Graz behandelt und befand sich wochenlang in künstlichem Tiefschlaf. Mittlerweile ist der 23-Jährige im Grazer Klinikum gestorben. Das teilte der stellvertretende Ärztliche Direktor Prof. Dr. Thomas Pieber am Freitag, 24. September, der Presse mit. Die Viren hatten das Gehirn des Patienten zunehmend geschädigt und es sei zu einem Funktionsverlust des zentralen Nervensystems gekommen. Im Gegensatz zu dem jungen Mann waren bei der Freundin keine Symptome der tödlich verlaufenden Krankheit aufgetreten. Sie bleibt weiter unter ärztlicher Beobachtung und wird psychologisch betreut. Die Krankheit kann bis zu 90 Tage nach dem Biss ausbrechen.

Gerade auch beim Import von Hunden aus den Mittelmeerländern, die meist nicht ausrei-chend untersucht wurden, ist das Risiko nicht nur für den Menschen, der das Tier mitbringt, hoch. Auch sämtliche Kontaktpersonen und eigene Tiere sind gefährdet.

Dies zeigt der Fall eines mit Tollwut infizierten, illegal aus Marokko importierten Hundes im Juli diesen Jahres: Ein etwa sechs Monate alter Mischlingswelpe aus Marokko, der nicht gegen Tollwut geimpft war, reiste in einem Auto versteckt über Spanien nach Frankreich. In Frankreich angekommen zeigte das Tier nervöse Ausfallerscheinungen, einen schlechten Allgemeinzustand und hatte Schwierigkeiten beim Fressen. Ein um Rat gefragter Tierarzt erkannte sofort den Ernst der Lage: Die klinische Diagnose Tollwut wurde labordiagnostisch bestätigt. Es wurde ein afrikanischer Stamm des caninen Lyssavirus (Tollwutvirus) mit dem Ursprung Marokko (Africa 1a – Morocco) isoliert. Das jetzt gefundene Virus weist große Ähnlichkeiten mit einem Tollwutvirus auf, welches im Februar diesen Jahres bei einem ebenfalls illegal aus Nordafrika nach Frankreich importierten Hund gefunden wurde.

Mit Hilfe der Gesundheitsbehörden und der Gendarmerie wurden der Reiseweg des Hundes und mögliche Kontaktpersonen ermittelt, um diese mit einer postexpositionellen Tollwut-Impfung zu behandeln. Hierzu gehörte auch der Marokkaner, der den Welpen verschenkt hatte. Elf Hunde und neun Katzen, die Kontakt zu dem tollwütigen Tier hatten, mussten getötet werden, da sie nicht gegen Tollwut geimpft waren. Spätere Tests ergaben ein negatives Ergebnis.

Noch suchen die französischen Gesundheitsbehörden neun Personen, die in Lebensgefahr schweben, ohne sich dessen bewusst zu sein: Sie wurden im August im Raum Bordeaux bei einem Straßentheaterfestival wahrscheinlich von dem inzwischen an Tollwut verendeten Hund gebissen. Die Suche wurde auch auf Spanien ausgeweitet, da unter den mutmaßlichen neun zusätzlichen Opfern des tollwütigen Hundes auch eine Spanierin und deren Tochter sind. Die EU-Kommission hat daraufhin eine europaweite Tollwut-Warnung veröffentlicht.

Solche Fälle müssen hierzulande dem Amtsveterinär und dem zuständigen Ministerium gemeldet werden. Um tödlichen Erkrankungen vorzubeugen, müssen alle Menschen, mit denen das infizierte Tier Kontakt hatte, geimpft und sämtliche freilaufenden Hunde oder Katzen eingefangen und alle Haustiere im gefährdeten Bezirk auf die Gültigkeit ihrer Tollwut-Impfung überprüft werden. Übersieht man eine Kontaktperson oder kann man sie nicht rechtzeitig ausfindig machen, stirbt diese möglicherweise grausam an der Tollwut.

 

Ab 1. Oktober 2004 müssen alle Besitzer von Katzen, Hunden und Frettchen innerhalb der Europäischen Union einen „EU-Heimtierausweis” besitzen, wenn sie die Tiere mit ins Ausland nehmen wollen. Der neue Ausweis ist zukünftig kombiniert mit einer Tätowierung oder einem Mikrochip und enthält eine Kennzeichnungsnummer zur Identifikation des Tieres. Ferner muss darin der gültige Impfschutz gegen Tollwut (mindestens 30 Tage und maximal 12 Monate vor dem Grenzübertritt) ersichtlich sein. Der Pass ist beim Tierarzt erhältlich. Mehr Informationen darüber finden Sie auf www.dgk.de.

Hintergrundinformation Tollwut

Die Tollwut (Rabies) ist eine akute Erkrankung des Zentralnervensystems, die durch eine Infektion mit dem Tollwutvirus hervorgerufen wird. Der Mensch infiziert sich hauptsächlich über den Speichel eines infizierten Wild- oder Haustieres nach Biss- oder (seltener) nach Kratzverletzungen, nach Belecken nicht intakter oder verletzter Hautstellen durch das Tier oder wenn Speichel eines infizierten Tieres auf Schleimhäute von Augen, Mund und Nase gelangen.
Ist das Tollwutvirus in den menschlichen Organismus gelangt, wandert es langsam entlang der Nervenbahnen bis in das Rückenmark und das Gehirn, wo es sich vermehrt und sich schließlich weiter im Körper ausbreitet. Die Zeit vom Anstecken bis zum Ausbruch der Krankheit dauert zehn Tage bis viele Monate, manchmal sogar Jahre.
Es gibt keine erfolgreiche Behandlung. Eine einmal ausgebrochene Tollwuterkrankung endet immer tödlich. Der einzige Schutz vor einer Erkrankung besteht in einer rechtzeitig durchgeführten Tollwut-Impfung.
Man unterscheidet zwischen der vorbeugenden Impfung und der Impfung nach Tollwut-Exposition, das heißt nach Biss- und Kratzverletzung oder Kontakt mit dem Speichel tollwütiger oder tollwutverdächtiger Tiere.

Weitere Informationen über das Krankheitsbild Tollwut im Internet auf www.dgk.de oder www.ibera-online.de.

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