Kontakt: info@tierfreunde-landshut.de Tel: 0871-68 77 504 Navigation: Tierfreunde Landshut | Informationen | Kleintiere | Krankheiten | Macrorhabdiose

Pilzerkrankung von Vögeln

Quelle: Pressemitteilung des

Deutsches Grünes Kreuz

Wenn der gefiederte Freund tüchtig frisst und trotzdem abmagert

... kann ein Pilz Schuld sein / Macrorhabdiose befällt mit Vorliebe Sittiche und Kanarienvögel

(animal) Frisst Ihr gefiederter Freund mehr als sonst und verliert trotzdem an Gewicht? Hat er ein aufgeplustertes Federkleid? Beobachten Sie bei ihm Würgebewegungen, Erbrechen oder Durchfall? Weisen der Kot oder der ausgewürgte Mageninhalt unverdaute Körner auf? Dann könnte dies auf die typischen Symptome einer vermehrt auftretenden, schwerwiegenden Erkrankung des Verdauungstraktes hinweisen: der sogenannten Macrorhabdiose.

Vor allem Wellensittiche, Nymphensittiche, Unzertrennliche (eine kleine afrikanische Papageienart) und Kanarienvögel sind von dieser Krankheit betroffen. Vögel jedes Alters sind gefährdet – allerdings besonders Jungvögel und alte, gesundheitlich vorgeschädigte Vögel.

Die Macrorhabdiose, früher als Megabakteriose oder Going-Light-Syndrom bezeichnet, ist eine Pilzinfektion. Sie steht bei den genannten Vögeln ganz oben auf der Liste der lebensbedrohlichen Krankheiten. Auslöser ist Macrorhabdus ornithogaster, ein großer, stäbchenförmiger Hefepilz, der zu einer Schleimhautentzündung des Drüsenmagens führt.

Die Krankheit verläuft chronisch; akute Schübe, gefolgt von mehreren beschwerdefreien Wochen, sind nicht selten. Der Pilz beeinträchtigt die Produktion der lebensnotwendigen Magensäure und bewirkt, dass der krankhaft veränderte Magen nicht mehr ausreichend arbeiten kann: Wertvolle Nährstoffe werden nur noch mangelhaft aufgenommen und verwertet. Schwäche, Auszehrung und letztlich der Tod des Tieres durch Entkräftung sind meist die Folgen. Anfangs sind die Symptome noch ziemlich unspezifisch, erst im fortgeschrittenen Krankheitsstadium treten für die Macrorhabdiose charakteristische Krankheitszeichen auf. Typisch sind vor allem die unverdauten Körner im Kot und die Abmagerung trotz des Heißhungers. Für alle Vogelhalter bedeutet das, bei Auftreten dieser Symptome so schnell wiemöglich einen vogelkundigen Tierarzt aufzusuchen. In den meisten Fällen kann der Arzt den verursachenden Hefepilz mikroskopisch im Kot nachweisen und dem kleinen Patienten helfen.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Der häufigste Weg der Ansteckung ist die fäkal-orale Übertragung, das heißt die Vögel nehmen den Pilz über infizierten Kot im Käfig auf. Weitere Übertragungswege erfolgen über die Kropffütterung: bei Nestlingen beim Füttern durch die Elterntiere und bei ausgewachsenen Vögeln durch die Partnerfütterung. Potenzielle Gefahrenquellen sind dabei:

Stress ist oft Auslöser für den Krankheitsausbruch

Es müssen mehrere Faktoren zusammentreffen, bis die Abwehr des Körpers zusammenbricht und der krankmachende Hefepilz die Oberhand gewinnt. Das heißt, dass nicht alle infizierten Vögel zwangsläufig erkranken müssen; bei manchen kann es Jahre dauern, bis Symptome auftreten. Ungünstig können sich vor allem Stresssituationen auswirken, zum Beispiel ein Wechsel der (Käfig)Umgebung, was nicht selten ausschlaggebender Faktor für den Krankheitsausbruch ist.

Zu beachten ist auch, dass eine Übertragung des Hefepilzes auf andere Tiere erfolgen kann, sobald das Tier den Erreger in sich trägt. So können ohne Wissen des Vogelbesitzers unbemerkt weitere Käfiggenossen angesteckt werden.

 

Macrorhabdiose

Ein sauberer Käfig kann Macrorhabdiose vorbeugen.
Foto: DGK

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Macrorhabdiose ist grundsätzlich eine schwer zu behandelnde Erkrankung, und eine vollständige Heilung kann nie garantiert werden. Andererseits gibt es durchaus erfolgreiche Therapien, die die Symptome abklingen lassen, wobei in den meisten Fällen der Magen-Darm-Trakt des gefiederten Patienten in Zukunft besonders anfällig bleibt. Eine Behandlung stützt sich im Wesentlichen auf zwei Faktoren:

Medikamente:

Amphotericin B ist nach medizinischen Kenntnissen der Wirkstoff, der am meisten Erfolg verspricht. Es handelt sich um ein Antimykotikum (Arzneimittel zur Behandlung von Pilzinfektionen), das drei bis fünfmal täglich als Suspension oral durch den Schnabel gegeben werden sollte. Die Verabreichung gestaltet sich aber als nicht ganz so einfach. Vogelbesitzer sollten es sich daher mindestens einmal von einem vogelkundigen Tierarzt richtig zeigen lassen.

Ernährung:

*Im akuten Schub sollte leicht verdauliches Futter verfüttert werden, das eiweiß-, mineralstoff- und vitaminreich ist. Geeignet sind Weichfutter oder handelsübliches Aufzuchtfut ter, das angefeuchtet werden sollte. Beides ist allerdings leicht verderblich und muss nach wenigen Stunden ausgetauscht werden. Außerdem ist zu beachten, dass den Vögeln während des akuten Schubs zur Schonung des Magens kein Grit zur Verfügung stehen sollte.

Das können Sie selbst für Ihren Vogel zur Vorbeugung gegen Macrorhabdiose tun

*Offene Wassernäpfchen sollten an der Käfigwand so eingehängt werden, dass eine Verschmutzung des Wassers mit Vogelkot vermieden wird. Futternäpfe sind in Höhe der Sitzstange an der Käfigwand zu befestigen.

Quellen:

Gabrisch, Karl. (Hrsg.): Krankheiten der Heimtiere. Hannover 2008
Quinten, Doris: Ziervogelkrankheiten, Stuttgart 1998
Vier Pfoten, Meldung vom 4.2.2008, Heißhunger – Alarmsignal bei Heimvögeln, www.vier-pfoten.de/
Going-Light-Syndrom, www.tiernetzwerk.de/