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Igel

Der Igel ist ein Wildtier

Die Igel gehören zu den bekanntesten und sicherlich auch beliebtesten Wildtieren in unserer Gegend. Aus falsch verstandener Tierliebe werden Igel immer wieder vorschnell in menschliche Obhut übernommen. Doch damit leisten sie dem gefangenen Tier keinen Gefallen und für den Artenschutz keinen Beitrag.

Im Spätherbst besteht je nach Witterung immer noch die Möglichkeit, dass Jungigel an Gewicht zunehmen und ausreichend Energiereserven für den Winterschlaf speichern. Schließlich ist der Igel ein Wildtier, das sich seit Jahrmillionen an seine Lebenssituation angepasst hat.

In Deutschland ist es generell verboten, Tiere der besonders geschützten Arten – und dazu zählt der Igel – aus der Natur zu entnehmen.

Nur hilfsbedürftige Tiere dürfen in menschlicher Obhut aufgezogen bzw. Überwintert werden:

  1. Verwaiste Igelsäuglinge:
    Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, sind von der Mutter verlassen. Im Zweifelsfall Nest und Umgebung einige Stunden lang beobachten! Übrigens: Die natürliche Sterblichkeitsrate von Jungigeln beträgt 70 – 80%.
  2. Verletzte Igel:
    Oft deuten schon Fundort und -umstände (Strasse, Bauarbeiten) auf Verletzungen hin. Tiere, die vermutlich tagelang in Gruben, Lichtschächten o.ä. ohne Wasser und Futter gefangen waren, brauchen ebenfalls Hilfe. Bringen Sie diese Tiere im Zweifel zu einem Tierarzt.
  3. Kranke Igel:
    Man erkennt sie meist daran, dass sie tagsüber Futter suchen, herumlaufen, -torkeln oder -liegen. Auf kranken Igeln (wie auch auf Säuglingen und Verletzten) sitzen in der warmen Jahreszeit häufig Schmeißfliegen, die ihre Eier ablegen. Kranke Igel sind apathisch, rollen sich kaum ein, sind oft mager (Einbuchtung hinter dem Kopf, herausstehende Hüftknochen). Ihre Augen stehen nicht halbkugelig hervor, sie sind eingefallen, schlitzförmig.
  4. Igel, die nach Wintereinbruch, d.h. bei Dauerfrost und/oder Schnee herumlaufen:
    Auch solche Igel findet man hauptsächlich bei Tag. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere handeln; öfter sind es Jungtiere, die spät geboren, evtl. auch krank sind und/oder sich wegen des geringen Nahrungsangebots im Spätherbst kein für den Winterschlaf ausreichendes Fettpolster anfressen konnten.

Nicht jeder Igel braucht Hilfe – aber jede Hilfe muss richtig sein!

Soll man Igel füttern?

Eine Igelfütterung ist normalerweise nicht nötig. Wenn man trotzdem einem Igel etwas gutes tun will muss man daran denken, wie sich Igel normalerweise ernähren:

Ihre Nahrung finden Igel mit ihrem hervorragenden Geruchssinn. Auf dem Speisezettel der nachtaktiven Insektenfresser stehen Käfer und deren Larven, Nachtschmetterlings- und Schnakenlarven, Spinnen, Schnecken, Regenwürmer sowie Hundert- und Tausendfüßler, seltener Asseln und nestjunge Mäuse. Gelegentlich verschmähen sie auch Aas nicht oder aufgebrochene Nüsse und süßes Fallobst.

Deshalb eignen sich am ehesten zum zufüttern Hackfleisch oder Hühnerklein. Auch mit Dosenfutter für Hunde oder Katzen kann gefüttert werden. Die Futtermenge sollte je nach Größe des Igels zwei bis drei gehäufte Esslöffel pro Tag nicht übersteigen. Zusätzlich kann noch gekochtes, gehacktes Eigelb (ungewürztes Rührei) gegeben werden. Die beste Fütterungszeit ist Abends, da Igel nachtaktive Tiere sind. Nicht vergessen werden sollte ein standfestes Schälchen mit frischem Wasser.

Auf keinen Fall sollte Igel Milch gegeben werden, da Milch den Verdauungstrakt reizt (Durchfall). So könnten sie aus falsch verstandener Tierliebe den Tieren mehr schaden als nutzen.

Sollen wir Igel über den Winter ins Haus aufnehmen?

Junger Igel

Igel dürfen nie vorschnell in menschliche Obhut genommen werden. Wichtig ist , dass man den Tieren Schutzmöglichkeiten im Garten belässt – beispielsweise aufgehäufte Gartenabfälle -, damit sie dort den Winter unbeschadet überstehen können.

 

Igel sind Wildtiere!

Igel sind Wildtiere!

Igelschutz

Die zeitweise Aufnahme von verletzten oder stark untergewichtigen Igeln muss sowohl im Sinne des Arten- als auch des Tierschutzes auf Ausnahmen beschränkt bleiben. Zur Erhaltung dieser Tierart ist es effektiver, längerfristig wirkende Maßnahmen zu ergreifen. Die Gelegenheit dazu hat jeder, denn als Kulturfolger leben die meisten Igel in der Nähe des Menschen. Auf den intensiv genutzten agrarischen Flächen finden sie häufig keine Nahrung oder Deckung.

Wie hilft man dem Igel wirklich?

Wirkliche Hilfe erhält der Igel jedoch durch Erhalt, Verbesserung und Neugestaltung seiner typischen Lebensräume. Dies sind vor allem artenreiche Wiesenflächen mit lockerem Baum- und Buschbestand. Hecken, Gebüschgruppen, Waldränder, Holzstapel, Reisighaufen und Scheunen werden als Schlafplätze aufgesucht oder sie dienen als „Kinderstube”. Jeder Gartenbesitzer kann dem Igel eine Heimstatt bieten, indem er im Garten Bereiche mit Wildwuchs und Gestrüpp duldet, einen Reisighaufen errichtet, im Herbst Laub und Fallobst liegen lässt und auf den Gifteinsatz, vor allem auf Schneckenkorn, im Garten völlig verzichtet – und auch den Nachbarn davon überzeugt. Gartenzäune sollten so gebaut werden, dass Igel darunter durchschlüpfen können. Diese Maßnahme kommt übrigens auch anderen Tieren, wie beispielsweise Amphibien, zugute.

Igel sind Wildtiere!

Mehr Informationen:

Pro Igel e.V.